Kulinarisches

Auf den folgenden Seiten findet ihr kulinarische Perlen aus dem Wäller Land und einiger meiner Lieblingsrezepte, die nicht typisch für den Westerwald sind.

Die typischen westerwälder Speisen sind in der Regel einfache Bauerngerichte mit wenigen Zutaten. Da die Bevölkerung nicht mit Reichtum gesegnet war, musste das verarbeitet werden, was zur Verfügung stand: Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, Getreide, Milch, Butter, Eier etc. aus der eigenen Landwirtschaft.

Damals waren die Leute darauf angewiesen, Lebensmittel mit den einfachsten Mitteln haltbar zu machen, um über den Winter zu kommen. So wurden Obst, Gemüse und Fleisch eingekocht, getrocknet und eingesalzen.

Weißkohl zum Beispiel wurde fein geschnitten oder geraspelt und in einem Steinguttopf, dem „Sauerkrautsdippe“ mit Salz eingeschichtet. Jede Lage wurde so lange gestampft, bis die austretende Flüssigkeit das Kraut komplett bedeckt hat, dann erst kam die nächste Lage Weißkohl und Salz dran. Wenn alles eingeschichtet war, wurde der Topf mit einem Tuch bedeckt und mit einem Holzdeckel, der mit Steinen beschwert wurde, verschlossen. Zwischen vier und sechs Wochen dauerte der Gärprozess – dann konnte das Sauerkraut zubereitet und genossen werden. 

Obst wurde, je nach Sorte, eingekocht, zu Marmelade verarbeitet oder am Ofen, zum Teil auch im „Backes“ (Backhaus) getrocknet.

Fleisch wurde gesalzen und geräuchert, zu Wurst verarbeitet, die wiederum geräuchert werden musste oder eingekocht.

Getreide musste geschnitten, gedroschen und zu Mehl gemahlen oder geschrotet werden, Obst gepflückt, Zuckerrüben geschnitzelt, gekocht, gepresst und wieder gekocht werden, um Zuckerrübensirup zu erhalten (dabei musste noch aufgepasst werden, dass er am Ende nicht anbrennt – also rühren, rühren, rühren).

Und noch so einiges Andere mehr…

Ihr seht, die Wäller „Madcher un Bowe“ waren zur Erntezeit ganz schön im Stress.

Und nicht nur zur Erntezeit. Oft war es so, dass die Männer in nahegelegenen Basaltsteinbrüchen oder Braunkohlegruben ihre Arbeit hatte und die Landwirtschaft nebenher laufen musste. Es musste geackert und gesät, gejätet. Gras geschnitten, gewendet und schließlich auch eingebracht werden.

Oft kam noch Vieh dazu. Kühe, die gefüttert und gemolken werden mussten, Schweine und Hühner. Und Ställe, die ausgemistet sein wollten. Viel harte Arbeit!

Die Frauen der damaligen Zeit waren überall. Im Haushalt, bei den Kindern, auf dem Feld und beim Vieh. Selbst die Kinder mussten, sobald sie sicher laufen konnten, mithelfen. Ich kann mich noch schwach daran erinnern, dass meine Oma mir erzählt hatte, dass so manche Frau ihr Kind auf dem Feld geboren hat.

Wenn ich mir dieses Arbeitspensum so ansehe frage ich mich, warum heute, wo alles so viel leichter ist, jede(r) zweite unter Stresssymptomen leidet. Vielleicht liegt es schlicht daran, dass man damals noch gesehen hat, was getan wurde.